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Stil

Hatha Yoga

Aktualisiert am 17. September 20262 Min. Lesezeit

„Hatha Yoga“ steht heute meist für eine ruhige Yogastunde mit gehaltenen Haltungen. Historisch bezeichnet der Begriff etwas deutlich Umfassenderes — und Asanas waren darin nur ein Teil.

Herkunft
Nordindien, Hochmittelalter
Kerntexte
Hathapradipika, Gherandasamhita
Bestandteile
Asana, Pranayama, Shatkriya, Mudra
Tempo
gehalten, nicht fließend
Historische indische Malerei eines Yogi in aufrechter Sitzhaltung
Yogi in Sitzhaltung, indische Malerei (Chester Beatty Library). Gemeinfrei · Wikimedia Commons

Was das Wort bedeutet

Hatha wird meist mit „kraftvoll“ oder „beharrlich“ übersetzt. Weit verbreitet ist außerdem die symbolische Deutung ha = Sonne und tha = Mond, also das Zusammenführen zweier gegensätzlicher Kräfte. Beide Lesarten zielen auf dasselbe: eine Praxis, die über den Körper auf Atem und Geist wirken soll.

Die Textgrundlage

Den Kern bilden drei Schriften: die Hathapradipika des Svatmarama (je nach Datierung 14. oder 15. Jahrhundert), die Gherandasamhita und die Shivasamhita. Wer darin nach dem heutigen Übungsprogramm sucht, wird überrascht: Der Schwerpunkt liegt auf Sitzhaltungen, Atemlenkung, Reinigungsübungen und energetischen Techniken. Die große Zahl an Bewegungshaltungen, die heute eine Stunde füllt, ist zum überwiegenden Teil jünger — vieles davon entstand erst im 19. und 20. Jahrhundert.

Woraus die Praxis besteht

BestandteilWas gemeint ist
AsanaKörperhaltungen, ursprünglich vor allem Sitzhaltungen für langes, ruhiges Sitzen — etwa der Lotussitz.
PranayamaLenkung und Verlängerung des Atems; in den Texten mindestens so wichtig wie die Haltungen.
ShatkriyaSechs Reinigungsübungen, darunter Nasenspülung und Bauchtechniken. Im heutigen Kursbetrieb kaum präsent.
Mudra und BandhaGesten und Verschlüsse, mit denen im Körper Spannung und Aufmerksamkeit gebündelt werden.

Wie eine Hatha-Stunde heute abläuft

  1. 1

    Ankommen: Sitzen oder Liegen, Atem beobachten, fünf bis zehn Minuten.

  2. 2

    Aufwärmen: Gelenke lösen, oft ein paar Runden Sonnengruß in ruhigem Tempo.

  3. 3

    Haltungen: Stand-, Sitz- und Liegehaltungen, jeweils fünf bis zehn Atemzüge gehalten, mit Pausen dazwischen.

  4. 4

    Atemübung: eine einfache Pranayama-Form, etwa Wechselatmung oder verlängerte Ausatmung.

  5. 5

    Stille: kurze Meditation im Sitzen, meist fünf bis fünfzehn Minuten.

  6. 6

    Schlusshaltung: Shavasana, mindestens fünf Minuten.

Unterschied zu fließenden Stilen

Der greifbarste Unterschied ist das Verhältnis von Haltung und Übergang. Im Hatha Yoga wird eine Haltung eingenommen, mehrere Atemzüge gehalten und wieder gelöst — die Pausen dazwischen gehören dazu. In fließenden Stilen wie Vinyasa oder Ashtanga bildet die Bewegung selbst den roten Faden, meist ein Atemzug je Bewegung, wie im Sonnengruß.

Daraus folgt ein praktischer Unterschied: Hatha gibt mehr Zeit zum Nachjustieren und ist für den Einstieg meist die bessere Wahl. Wer Ausdauer und Rhythmus sucht, findet sie eher in den fließenden Formen. Eine Übersicht weiterer Formen steht auf der Seite Yoga-Arten.

Für wen es passt

Hatha eignet sich für Anfänger, für Menschen mit wenig Vorerfahrung im Sport, für alle, die Haltungen verstehen statt nur durchlaufen wollen, und als Ausgleich zu einseitiger Belastung. Wer ein anstrengendes Training sucht, wird in einer klassischen Hatha-Stunde eher unterfordert sein — was kein Mangel ist, sondern die Absicht.

Quellen und weiterführende Seiten