Klangschale
Klangschalen sind aus Yogaräumen kaum wegzudenken — meist als Signal für Anfang und Ende. Ihre Geschichte ist allerdings eine andere, als die Verkaufstexte erzählen.
- Material
- Metalllegierung, meist Bronze
- Spielweise
- anschlagen oder reiben
- Herkunft heutiger Schalen
- Nordindien, Nepal
- Verbreitung im Westen
- seit den 1970er-Jahren

Die Einordnung vorweg
Klangschalen werden fast immer als „tibetische Klangschalen“ verkauft und als jahrhundertealtes Ritualinstrument beschrieben. Dafür gibt es keine historische Grundlage. Die Herstellung und Verwendung von Schalen eigens zum Klingen gilt als modernes Phänomen: In den Aufzeichnungen zur tibetischen Musik tauchen sie nicht auf — auch nicht bei Reisenden, die Tibet zu Beginn des 20. Jahrhunderts besuchten und die dortige Musik beschrieben. Die Schalen, die heute unter diesem Namen gehandelt werden, stammen überwiegend aus Nordindien und Nepal und sind weder tibetisch noch rituellen Ursprungs.
In den Westen kamen sie ab den frühen 1970er-Jahren; 1972 setzten die Musiker Henry Wolff und Nancy Hennings sie für eine Schallplatte ein, was die Verbindung zur später als „tibetisch“ vermarkteten New-Age-Musik prägte.
Das entwertet die Schale nicht. Es verschiebt nur, wofür man sie benutzt: als Klanginstrument, das Aufmerksamkeit bündelt — nicht als Träger einer alten Heilkunde.
Wie man sie spielt
- 1
Schale frei auflegen — auf die flache Hand oder ein weiches Ringkissen. Auf dem Tisch stehend klingt sie dumpf.
- 2
Anschlagen: mit dem Holzklöppel seitlich gegen den oberen Rand tippen, nicht von oben. Kurz und locker.
- 3
Ausklingen lassen, ohne die Schale zu berühren. Der Ton entwickelt sich noch mehrere Sekunden.
- 4
Reiben: den umwickelten Klöppel mit gleichmäßigem Druck außen am Rand entlangführen.
- 5
Tempo finden: langsam beginnen und erst schneller werden, wenn der Ton trägt. Zu schnell erzeugt Rattern.
- 6
Abstellen: die Schale mit der flachen Hand am Rand abdämpfen, wenn der Ton enden soll.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Selbst anhören. Der Klang lässt sich nicht beschreiben und schon gar nicht aus Produktfotos ableiten. Wenn möglich, im Laden mehrere Schalen vergleichen.
- Größe bestimmt Tonhöhe. Kleine Schalen klingen hell und kurz, große tief und lange. Für Anfang und Ende einer Übungseinheit ist eine mittlere Größe (etwa 14–18 cm) praktisch.
- Nachklang prüfen: Ein sauberer Ton sollte gleichmäßig ausklingen, ohne zu schwanken oder zu scheppern.
- Klöppel gehört dazu. Ein Holzklöppel für den Anschlag, ein mit Leder oder Filz bezogener zum Reiben. Der falsche Klöppel macht jede Schale schlecht.
- Handgetrieben oder gegossen ist vor allem eine Preisfrage. Für den Zweck im Yogaraum spielt es keine große Rolle.
Wofür sie im Üben taugt
Am nützlichsten ist die Schale als Zeitgeber: ein Anschlag zu Beginn der Stille, einer am Ende. Das nimmt der Sitzung den Blick auf die Uhr. In Shavasana holt ein leiser Ton sanfter zurück als eine Stimme. Und als Übungsobjekt taugt sie ebenfalls — dem Ton bis zum vollständigen Verklingen zu folgen, ist eine vollwertige Konzentrationsübung.
Quellen und weiterführende Seiten
- Standing bell in der englischen Wikipedia (Herkunft, Verbreitung im Westen)
- Klangschale bei Wikipedia